Wofür das Formular gedacht ist
Nicht jede gute Recherche beginnt mit einer Medienmitteilung. Oft steht am Anfang ein Hinweis von jemandem, der im Betrieb, in einer Gemeinde oder in einem Planungsbüro etwas beobachtet hat, das nicht zu den offiziellen Angaben passt. Für solche Hinweise gibt es das vertrauliche Quellenformular auf unserer Kontaktseite.
Es richtet sich an Personen, die uns auf Umweltmissstände aufmerksam machen wollen: auffällige Messwerte, Einleitungen in Gewässer, Bauvorhaben in Schutzgebieten, falsch deklarierte Abfälle oder Werbeversprechen, die sich mit den internen Zahlen nicht decken. Sie können eine kurze Beschreibung schreiben und Unterlagen beilegen.
Das Formular ersetzt keine Behördenmeldung bei akuter Gefahr. Wenn Menschen oder Gewässer unmittelbar bedroht sind, gehört der Hinweis zuerst an die zuständige Stelle. Uns erreichen Sie für alles, was eingeordnet, geprüft und gegebenenfalls veröffentlicht werden soll.
Was wir mit einem Hinweis tun
Jeder Eingang wird von der Redaktion gelesen, nicht von einer Software sortiert. Wir prüfen zuerst, ob die Angaben in sich stimmig sind und ob sich Unterlagen oder Aussagen unabhängig bestätigen lassen. Ein Hinweis ist für uns ein Ausgangspunkt, kein Beleg.
Danach entscheidet die Chefredaktorin gemeinsam mit der zuständigen Person, ob daraus eine Recherche wird. Das kann Wochen dauern. Wir melden uns, wenn wir Rückfragen haben, und sagen Ihnen offen, wenn wir einen Hinweis nicht weiterverfolgen können.
Kommt es zu einer Veröffentlichung, erhalten die kritisierten Stellen Gelegenheit zur Stellungnahme, und die Aussagen im Text stützen sich auf Dokumente und weitere Gespräche, nicht auf eine einzelne Quelle allein.
- Lesen und erste Plausibilitätsprüfung durch die Redaktion
- Abgleich mit öffentlichen Akten, Bewilligungen und Messdaten
- Rückfrage bei Ihnen, falls Angaben unklar sind
- Stellungnahme der betroffenen Stellen vor einer Veröffentlichung
Was Sie mitschicken können
Hilfreich ist alles, was einen Vorgang nachvollziehbar macht: Gutachten, Bewilligungen, Messprotokolle, interne E-Mails, Fotos mit Datum und Ort. Wichtiger als die Menge ist die Einordnung. Zwei Sätze dazu, was die Unterlage zeigt und woher sie stammt, ersparen uns viel Rätselraten.
Schreiben Sie auch, was Sie selbst gesehen haben und was Sie nur vom Hörensagen wissen. Diese Unterscheidung hilft uns, die richtigen Fragen zu stellen und nichts als Tatsache zu behandeln, was bloss eine Vermutung ist.
Wenn Sie unsicher sind, ob ein Dokument weitergegeben werden darf, schildern Sie zunächst nur den Sachverhalt. Wir besprechen mit Ihnen, welche Unterlagen wir brauchen, bevor etwas Heikles übermittelt wird.
- Dokumente mit kurzer Erklärung ihrer Herkunft
- Zeitliche Angaben: wann, wo, wie lange
- Namen von Stellen, die dazu Auskunft geben können
Schutz Ihrer Identität
Ob Sie Ihren Namen angeben, entscheiden Sie. Sie können uns auch ohne Absender schreiben, müssen dann aber damit leben, dass wir Rückfragen nicht stellen können. Wer eine Antwort möchte, hinterlässt am besten eine Adresse, die er nicht beruflich nutzt.
Wir geben Namen von Hinweisgebenden nicht weiter, weder an kritisierte Organisationen noch an Dritte, und besprechen mit Ihnen, wie wir Ihre Angaben im Text so darstellen, dass kein Rückschluss auf Sie möglich ist. Das gilt auch dann, wenn wir einen Hinweis nicht weiterverfolgen.
Denken Sie an die Spuren, die Sie selbst hinterlassen: das Gerät am Arbeitsplatz, das Firmennetzwerk, Metadaten in Dateien. Ein privates Gerät und ein ruhiger Moment sind meist die bessere Wahl als ein Absenden zwischen zwei Sitzungen.
- Privates Gerät und privates Netzwerk verwenden
- Dateien vor dem Senden auf versteckte Angaben prüfen
- Nur so viel preisgeben, wie für die Prüfung nötig ist
Was nach dem Absenden geschieht
Nach dem Absenden erscheint eine Bestätigung. Eine inhaltliche Antwort erhalten Sie, sobald jemand aus der Redaktion Ihren Hinweis gelesen hat. Im Herbst, wenn viele Bauprojekte und Entsorgungsfragen auf den Tisch kommen, kann das einige Tage dauern.
Wir versprechen keine Veröffentlichung und keinen bestimmten Ausgang. Manche Hinweise führen zu einer ausführlichen Recherche, andere bleiben als Hintergrundwissen in der Redaktion und helfen uns, spätere Fälle besser einzuordnen.
Falls Sie lieber zuerst mit jemandem sprechen möchten, schreiben Sie uns über die Kontaktseite eine kurze Nachricht. Wir klären dann, auf welchem Weg Sie sich wohl fühlen, und nehmen Ihre Unterlagen erst danach entgegen.
Das Quellenformular ist ein Arbeitsinstrument der Redaktion, kein Versprechen auf eine Schlagzeile. Es soll Ihnen ermöglichen, einen Missstand zu melden, ohne dass Sie dafür Ihre Sicherheit aufs Spiel setzen müssen. Wir prüfen sorgfältig, behandeln Ihre Angaben vertraulich und stellen die Sache fair dar. Wenn Sie etwas beobachtet haben, das nicht stimmig wirkt, finden Sie das Formular auf der Kontaktseite.